Gustav Meyrink: Der Golem
1. Die Handlung
Kapitel 1: Schlaf
Der Ich-Erzähler liegt im "Halbtraum" im Bett und denkt unablässig an einen Stein, der wie ein Stück Fett aussieht (vgl. Schluss). Schließlich liegt sein Körper schlafend im Bett und seine "Sinne sind losgetrennt und nicht mehr an ihn gebunden".
Kapitel 2: Tag
Im zweiten Kapitel befindet sich der Erzähler in diesem Zustand (Halbtraum) tagsüber im Prager Judenviertel Josefov. Er erlebt dort Teile seiner Vergangenheit in einer neuen Persönlichkeit, die eines Gemmenschneiders namens Athanasius Pernath, wieder.
Kapitel 3: I
In Pernaths Wohnung taucht ein unbekannter, sich seltsam benehmender Mann auf, der ihm wortlos ein Buch gibt. In dem Buch ist die erste Initiale des Kapitels Ibbur (Seelenschwängerung) kaputt, Pernath soll es restaurieren. Beim Lesen des Kapitels fällt Pernath in Trance und halluziniert. Als er wieder zu sich kommt, ist der Unbekannte verschwunden und Pernath erinnert sich nicht im Geringsten an seine Erscheinung. Sobald er jedoch die Schritte des Fremden nachahmt, spürt er, wie er die Kontrolle über seinen Körper verliert und von fremden Händen gesteuert wird und die Erinnerung plötzlich aufgefrischt wird.
Kapitel 4: Prag
Der Erzähler trifft den Medizinstudenten Charousek. Er betrachtet die Häuser des Prager Ghettos. Diese erscheinen ihm wie lebendige Wesen. Er erinnert sich an Die Sage vom Golem, dem künstlichen Menschen aus Lehm. Dann erzählt ihm der Student die Geschichte von Dr. Wassory, der der Sohn des Trödlers Aaron Wassertrum war. Wassory galt als berühmter Augenarzt, doch Charousek hat entdeckt, dass er ein Betrüger ist, der aus Geldgier viele Menschen mit einer unnötigen Operation halb blind gemacht hat. Als er angezeigt wurde, beging der Augenarzt Selbstmord. Am Schluss des Kapitels ist von einer Wachspuppe im Besitz von Wassertrum die Rede.
Kapitel 5: Punsch
Zwakh, Prokop, Vrieslander treffen sich bei Pernath und verbringen gemieinsam den Abend bei einem Glas Punsch. Zwakh erzählt den anderen die Sage des Golems. Am späten Abend fällt Pernath in einen Halbschlaf und hört seine Freunde, wie sie sich über ihn unterhalten. Er erfährt, dass er früher verrückt gewesen sein muss und aufgrund dessen in einem Irrenhaus lebte.
Kapitel 6: Nacht
Nachdem Meister Pernath von Zwakh überredet worden ist zu dem Salon Loistikschek, einem Bordell, zu gehen, hören sie auf dem Weg dorthin zusammen mit Josua Prokop und Vrieslander aus einem Kanalgitter Geräusche (Schreie). Diese versetzten vor allem Pernath in Unruhe. Beim Betreten des Bordells werden sie freundlich in Empfang genommen und Pernath beobachtet einen alten „Greis“, welcher das Lied vom „chomezigen Borchu“ singt. Als Zwakh wenig später die Erzählung von dem Rechtsgelehrten Dr. Hulbert und seinem Bataillon beginnt, fühlt sich Meister Pernath willenlos und starr.
Dr. Hulbert war ein Arzt, der aber auch als Rector magnificus an einer Universität ernannt wurden ist. Anschließend verlobte er sich mit einer adligen Frau. Als diese ihn jedoch wegen eines Studenten verlies, geht Dr. Hulbert zum ersten Mal in das Loistikschek, welches ab diesem Zeitpunkt seinem Zuhause wird. Wenig später gründet er eine Gemeinschaft namens Bataillon, die gegen die Polizei arbeitet. Nach seinem Tod vermacht er dessen Mitgliedern ein Testament, dass sie jeden Tag eine warme Mahlzeit im Loistikschek bekommen.
Kurz nachdem Pernath aus seiner Lethargie erwacht, trifft die Polizei ein. Nachdem die Situation mit den Polizeibeamten geklärt werden kann, wollen Zwakh und die anderen gehen. Doch dann gerät Pernath in seine phantastische Welt und sein Körper scheint von unsichtbaren Fingern, die nicht seine sind, gesteuert zu werden. Ihm wird bewusst, dass es die gleiche Person (der Golem) sein muss, die ihm das Buch Ibbur gegeben hat. Die anderen bringen ihn daraufhin nach Hause und wollen Hillel um Hilfe bitten.
Kapitel 7: Wach
Pernath wird bei vollem Bewusstsein, allerdings unfähig sich bewegen oder zu sprechen, zum Archivar Hillel gebracht, der ihm helfen soll. Dieser heilt ihn, indem er zu ihm spricht. In dem darauf folgendem sehr von der jüdischer Religion geprägtem Gespräch geht der Archivar auf Pernaths Fragen und Sorgen ein und teilt ihm mit, dass er bald das wahre Wachsein erleben wird.
Nachdem er wieder auf seinem Zimmer ist, entdeckt Pernath neue Fähigkeiten an sich und gewinnt mit diesen Erkenntnis über Dinge, die für ihn bisher unlösbar schienen. Nur seine Vergangenheit bleibt ihm weiterhin verwehrt. Bei diesen geistigen Überlegungen spielt auch Hillel eine Rolle, indem er Pernaths Gedanken in bestimmte Richtungen lenkt und ihn schließlich einschlafen lässt.
Kapitel 8: Schnee
Pernath bekommt einen anonymen Brief von einer Dame, die er aus der Jugend her kennen sollte. In dem Brief bittet sie Pernath um Hilfe, wobei sie einen Treffpunkt um fünf Uhr vor der Domkirche auf dem Hradschin angibt. Pernath fühlt Mitleid und sieht in dem Treffen eine mögliche Chance Erinnerungen an seine Vergangenheit zurückzugewinnen, Pernath macht sich auf dem Weg zum Treffpunkt.
Die für ihn noch unbekannte Dame beschuldigt Aaron Wassertrum als Mörder und fürchtet um das Leben von Savioli und ihrer Tochter, sie bittet daher Pernath ihre ganzen Edelsteine Wassertrum zu übereichen, sodass Aaron das Leben ihrer Tochter verschonen möge.
Kapitel 9: Erinnerung!
Pernath erwacht aus seinem Starrkrampf und erinnert sich an eine Situation von früher. Dann geht er raus auf die Straßen, wo der Weihnachtsmarkt aufgebaut ist. Er läuft durch dunkle Gassen und sieht ein Zettel, auf dem steht, dass jemand vermisst wird. Es kümmert ihn jedoch kaum und er läuft teilnahmslos durch die Straßen.
Kapitel 10: Spuk
Pernath liegt mitten in der Nacht wach auf seinem Bett, da er nicht einschlafen kann. Fieberhaft grübelt er nach, wie er Angelina vielleicht helfen könnte und zieht sogar in Erwägung Hillel dabei um Hilfe zu bitten, was er jedoch wieder verwirft. Irgendwann hört er Geräusche in Dr. Saviolis Apartment nebenan und vermutet, dass der Trödler Wassertrum sich dort aufhält. Als Pernath in das Apartment nebenan geht, um zu sehen wer sich dort aufhält, sieht er jedoch den Studenten Charousek, der jegliche Unterlagen Saviolis vernichten will. Auch entdeckt Pernath dort eine in den Boden eingelassene Falltür. Nach dem heimlichen Gespräch mit Charouseck geht er wieder in sein Zimmer. Er kann sich immer noch nicht entschließen zu Bett zu gehen, sodass er den Entschuss fasst, die Falltüre in Saviolis Apartment aufzusperren. Er geht wieder ins andere Apartment und sperrt die Falltüre auf. Pernath geht durch einen langen Gang, bis er plötzlich in einem kalten, vergitterten Zimmer ankommt. Da er friert, zieht er sich einen alten Lumpen Kleider über und durchstöbert das Zimmer. Schließlich erkennt er, dass es sich hierbei um das Zimmer des Golems handelt. Wie paralysiert bleibt er mehrere Stunden in dem Zimmer und sieht sich abei seinem aus einer Tarotkarte erstandenen Doppelgänger gegenüber. Schließlich macht er sich wieder auf den Rückweg, doch er kommt in einem alten schwarzen Schulhaus an, das er zu einem Teil seiner Vergangenheit zählt. Als er durch die Straßen zurück läuft, halten ihn einige Leute für den Golem. Prompt reißt er sich die Kleider wieder vom Leib, und die schreiende Menge läuft an ihm vorüber.
Kapitel 11: Licht
Pernath wartet auf Hillel und denkt dabei über Möglichkeiten nach, dessen Tochter Mirjam in einer Gemme darzustellen. Dann fällt ihm ein, dass er Angelinas Briefe aus der Truhe in die Kassette räumen wollte. Dabei fällt eine Photographie von ihr aus dem Stapel, und Pernath erinnert sich durch den Namen "Angelina" an seine Jugend. Allerdings bewirkt dies in ihm Jammer und den Wunsch, wieder zu vergessen.
Nachdem Pernath es geschafft hat, Herr über seine Reaktion auf das Bild zu werden, bekommt er schließlich Besuch von Hillel und Zwakh. In dem folgenden Gespräch zwischen Zwakh und Hillel, über den Golem und Kabbala, macht Hillel mehrfach an Pernath gerichtete Andeutungen. Außerdem erfährt Pernath vom Mord an Zottmann.
Kapitel 12: Not
Pernath hält sich in seiner Wohnung auf und denkt darüber nach, was sein Leben in der letzten Zeit für Veränderungen erfahren hat. Er wird sich bewusst, wie einsam er ist. Angelina kommt auf einmal sehr erregt und mit einer Verletzung zu ihm und erzählt, wie Wassertrum Dr. Savioli an seinem Krankenbett aufgesucht habe. Er verlange von ihm, dass er sich selbst Leid zufüge. Sie fürchtet um sein Leben. Pernath beruhigt sie, indem er ihr sagt, dass die Beweise, mit denen Wassertrum ihr droht, bereits in Sicherheit gebracht worden seien.
Nachdem Angelina gegangen ist erscheint Charousek in seiner Tür. Er beginnt über Wassertrum zu reden und beschreibt seinen Hass gegenüber allem, was eine Verbindung zu ihm hat. Verwundert sehen sie vom Fenster der Wohnung, wie der taubstumme Jaromir Wassertrum einen blitzenden Gegenstand verkauft. Doch Pernath findet es nicht weiter wichtig.
Als der Student Charousek mit seiner Beschreibung fortfährt und angibt, wie er schon als Kind bei der blossen Anwesenheit Wassertrums vor Hass geglüht habe, offenbart er Pernath, dass der so verhasste Wassertrum sein Vater ist. Beim Fortgehen steckt ihm Pernath heimlich einen Geldschein zu.
Danach stattet er Mirjam, Hillels Tochter, einen Besuch ab. Sie ist allein Zuhause. Er stellt entsetzt fest, in was für Verhältnissen sie und ihr Vater leben, denn er ist sich dessen nie bewusst gewesen. Beide sind etwas verlegen, bis er ihr sein Herz ausschüttet und ihr fast alles ausser dem, was er in den unterirdischen Gaengen erlebt hat, preis gibt. Mirjam hingegen schildert Pernath, wie sie monatelang Geld auf den Strassen gefunden hat, das ihr und ihrem Vater ermöglicht hat in ihrer Armut zu überleben. Damit diese Wunder nicht aufhören, erklärt sie, nehme sie Pernaths finanzielle Hilfe nicht an.
Daraufhinn kommt Hillel nach Hause. Er hat von Charousek gehört, dass Pernath ihm ohne sein Wissen Geld eingesteckt hat und findet es nicht gut, weil er der Meinung ist, dass dies zu nur noch mehr Leid führe. Nachdem Hillel ihm noch geraten hat sich für den Augenblick nicht länger um Angelina zu kümmern und das ganze auf sich beruhen zu lassen geht er nach Hause.
Kapitel 13: Angst
In dem Kapitel Angst fällt Pernath in einen ängstlichen Zustand. Er ist allein in seinem Zimmer doch meint eine Spannung in der Luft zu fühlen. Er kann nicht schlafen und versucht seine Zeit zu vertreiben und sich abzulenken.Er erlebt verschiedene Visionen, sieht Gestalten vor ihm, auf deren Brust in fremder Schrift Hieroglyphen leuchten.
Kapitel 14: Trieb
In dem Kapitel Trieb erfährt man von der Zuneigung Pernaths, die er für Mirjam empfindet. So fertigt er in diesem Kapitel eine Gemme für Mirjam an und versteckt Geld in den Broten der Familie Hillel, um ihnen aus der finanziellen Not zu helfen.
Desweiteren bekommt Pernath in diesem Kapitel Besuch vom Trödler Wassertrum, der von Pernath die Umstände seiner Beziehung zu Angelina erfahren möchte.
Kapitel 15: Weib
Am Anfang dieses Kapitels haben Mirjam und Pernath eine lange Unterhaltung und Mirjam klärt Pernath über ihre Lebensphilosophie auf. Ihre intensive Unterhaltuung wird von Angelina gestört, die Pernath zu einer Spazierfahrt einlädt. Pernath willigt ein und sie verbringen einen angenehmen Tag zusammen.
Auf seiner Rückkehr nach Hause verirrt sich Pernath aufgrund des Nebels in eine unheimliche Gasse. Als es ihm nach längerer Zeit wieder gelingt aus der Gasse rauszufinden, trifft er sich mit seinen Freunden in einem Lokal, wo sieihn über die Legende dieser mysteriösen Gasse aufklären.
Kapitel 16: List
Pernath plant Selbstmord, entschließt sich davor sein Geld in der Bank abzuholen und es Mirjam zu schicken. Seine Gedanken werden durch Aaron Wassertrums unangekündigten Besuch verdrängt, der die Absicht hat sich mit Pernath zu versöhnen und ihm eine Uhr zu schenken. Dann tritt Charousek in sein Zimmer mit der Absicht, mit einer List Aaron Wassertrum zu vergiften.
Pernaths Plan scheitert, da er sein Geld erst in acht Tagen von der Bank abholen kann. Dort kommt ihm ein Mann mit einem Glasauge äußerst seltsam vor, der ihn verfolgt, bis ihm klar wird, dass er Geheimpolizist ist und ihn aufgrund des angeblichen Mordes an Herrn Zottmann verhaftet. Es stellt sich heraus, dass Aaron Wassertrum ihm die Uhr absichtlich gegeben hat um den Verdacht auf ihn zu lenken.
Kapitel 17: Qual
Das Kaiptel Qual handelt davon, wie Pernath ins Gefängnis kommt und wie und mit welchen Gedanken er dort die ersten Wochen verbringt. Er denkt anfangs oft an Angelina und fürchtet sich um ihr Wohlergehen. Auch um Mirjam macht er sich große Sorgen, da er befürchtet, dass sie sich seinetwegen ängstigt.
Die Wochen vergehen, doch Pernaths Fall macht keine Fortschritte und er kommt nicht dazu sich zu verteidigen und die Richter von seiner Unschuld zu überzeugen, da man ihm keinerlei Möglichkeiten dazu gibt.
Kapitel 18: Mai
Pernath ist verzweifelt in seiner Zelle und denkt viel an Mirjam. Sein Zellgefährte Vossatka, der Brandstifter, wird entlassen, da keine Beweise gegen ihn vorliegen. Pernath erfährt von ihm, dass Loisa es Dank seiner Feile geschafft hat auszubrechen.
Ein neuer Gefangener wird sofort nach Vossatka in Pernaths Zelle gebracht. Pernath erinnert sich ihn bereits einmal am Torbogen gesehen zu haben. Es stellt sich heraus, dass dieser gewisse Wenzel von Charousek beauftragt wurde einen Raubüberfall zu gestehen und mit einem anderen Gefangenen die Zellnummer zu vertauschen, um zu Pernath ins Gefängnis zu gelangen. Er berichtet Pernath von dem Bataillons Beschluss er solle die Krankheit Ebilebsie vortäuschen, die die einzige sei, die der Arzt ernst nehmen würde, um somit in die Krankenzelle zu gelangen und von dort leicht ausbrechen zu können. Pernath lehnt diesen Plan allerdings sofort ab. Ausserdem überbringt Wenzel ihm einen Brief von Charousek und er erzählt Pernath von Loisas Raubmord an Wassertrum und, dass er ihn mit einer Feile in der Kehle in seinem zerstörten Laden aufgefunden habe. Pernath kann von ihm nichts über Mirjam oder Hillel erfahren.
Wenzel wird wieder aus der Zelle geführt und Pernath liest Charouseks Brief, in dem steht, dass er herausgefunden habe, dass Jaromir die goldene Uhr nach Loisas Verhaftung in dessen Zimmer gefunden und an Wassertrum verkauft habe. Charousek habe Jaromir anschliessend 1000 fl (die nur von Angelina kommen konnten) fuer sein Gestaendnis gegeben. Somit wäre Pernath entlastet. Ferner schreibt er, dass sie sich trotz Pernaths bevorstehender Entlassung in diesem Leben nicht mehr wieder sehen werden, da er nach seiner, im letzten Moment durch Loisas Raubmord, gescheiterten Rache Wassertrum in den Selbstmord zu treiben, ihm jetzt ins Jenseits folgen müsse. ("Mein Hass ist von der Art, die übers Grab hinaus geht")
Zum Schluss wird Laponder in die Zelle Pernaths gebracht und Pernath fragt sich was er wohl begangen haben mag
Kapitel 19: Mond
Pernath beginnt ein Gespräch mit dem neuen Gefangen Laponder, fuü den er anfangs Mitleid empfindet. Als er aber erfaehrt, dass dieser einen Lustmord begangen hat, schlagen seine Gefühle in Angst und Abscheu um.
Ein paar Tage später vernimmt er nachts die Stimme Mirjams und kann durch den als Medium dienenden Laponder mit ihr und dem Archivar Hillel sprechen. Pernath erkundigt sich am nächsten Morgen, was Laponder von Hillel und Mirjam weiß, wobei er erfährt, dass jener sie im Schlaf besucht und dabei auch den Golem gesehen hat. Darauf zeigt Laponder auf einmal großes Interesse an der Vergangenheit Pernaths. Nun stellt sich heraus, dass auch Laponder die kopflose Gestalt gesehen und deren Körner angenommen hat.
Schließlich schlägt Athanasius ihm vor, mit dem Richter zu sprechen, um die Strafe zu mildern, da Laponder psychisch krank sei. Dieser lehnt jedoch ab mit der Begründung, dass er durch die Hinrichtung zur wahren Freiheit gelangen wird. Er dankt Pernath dafür, dass er ihm den Schlüssel zu dieser Freiheit gegeben hat und wird kurze Zeit später abgeführt. Athanasius sieht in Laponder einen Propheten und wird durch dessen Auftreten stark geprägt.
Als er einige Wochen später entlassen wird, erfährt er, dass Loisa ausgebrochen ist und als Mörder verdächtigt wird.
Kapitel 20: Frei
Pernath wird aus dem Gefängnis entlassen und macht sich auf den Weg zu Hillel und Mirjam. Deren Haus jedoch ist fast komplett zerstört und er fragt Bauarbeiter nach seinen früheren Bekannten. Dieser kennt Jaromir und schickt Pernath in das Café Chaos. Dort trifft er auf Jaromir, welcher ihm zu verstehen gibt, dass Zwakh, Vrieslaender und Prokop nicht mehr in Prag seien und dass Hillel und Mirjam spurlos verschwunden sind.
Pernath verbringt den Weihnachtsabend allein, wobei sein Baum Feuer fängt und er für einen Augenblick sein Ebenbild erblickt. Er klettert aufs Dach, um sich zu retten und lässt sich mit einen Seil herunter. Er kommt am Fenster des Golem vorbei und sieht Mirjam und Hillel, kurz danach reißt sein Seil und er versucht sich an einem Stein festzuhalten, welcher jedoch “Glatt wie ein Stück Fett” ist. (Vergleiche Kapitel 1)
Kapitel 21: Schluss
Im letzten Kapitel Schluss erwacht der Erzähler und merkt, dass er alles nur geträumt hat. Er entscheidet sich, obwohl es so spät nachts ist, noch die Judenstadt besuchen zu gehen. Die Judenstadt hat sich komplett verändert. Er setzt sich ins Cafe Loisitscheck und unterhält sich mit Ferri Athenstaedt und Fährmann.
Der Erzähler erfährt, dass es Pernath wirklich gab und er begibt sich mit Fährmann zu Pernaths angeblichem Wohnort, in einer mysteriösen, traumartigen Begegnung. Pernath ist über die vielen Jahre hinweg nicht gealtert und ist mit Mirjam verheiratet. Der Erzähler findet zwischen sich und Pernath eine große Ähnlichkeit.
2. Die Figuren
2.1 Athanasius Pernath
Atanasius Pernath ist die Hauptperson des Romans und vom Beruf her Gemmenschneider.
Er lebt in Prag in dem Judenviertel in einem Apartment. Seine Bezugspersonen sind Zwakh,der Schnitzer Vriesländer, der Musiker Josua Prokop und der Student Charouseck. Hillel, der das Apartment unter ihm bewohnt, ist seine Vertrauensperson und versetzt ihn vermehrt in hypnotische Zustände, um ihm zu helfen. Angelina, die er an einem gewissen Zeitpunkt trifft und die ein Teil seines vergangenen Lebens war, bittet ihn um Hilfe. Da Pernath in sie verliebt ist, versucht er alles daranzusetzen ihr zu helfen. Die Sage des Golems spielt in dem Judenviertel, wo Pernath lebt, eine besondere Rolle, auch Pernath ist fasziniert von ihm und identifiziert sich zunehmend mit ihm. Er nimmt eine besondere Rolle in seinem Leben ein( Kapitel “ Nacht” und “ Spuk”)
Er kann sich nicht an seine Vergangenheit erinnern, weiß nichts über seine Herkunft und wie er zu seiner jetzigen Lebenssituation kam. Gegen Ende des Buches kann sich Pernath jedoch wieder an sein vergangenes Leben zurückerinnern, was ihm innerlich Schmerzen bereitet. Pernath ist psychisch labil und leidet unter Visionen und Wahnvorstellungen, zudem verfällt er in verschiedene andersartige Bewusstseinszustände(Lethargie, Starrkrampf, Halbschlaf/Traum). Ihn selbst beschäftigt seine psychische Labilität sehr und er leidet darunter zunehmend.
Vom Charakter her scheint Pernath zurückhaltend und in sich gekehrt, während des Buches machen sich keine weiteren besonderen Charaktereigenschaften bemerkbar.
2.2 Angelina
Angelina ist eine junge, schöne Gräfin, die mit dem reichen Dr. Savioli verheiratet ist. In ihrer Verzweiflung auf Grund der Bedrohungen wendet sie sich an ihre alten Liebe Anthanasius Pernath und bittet ihn um Hilfe. Ihre Gemeinsamkeit, dass sie beide eine mysteriöse Vergangenheit haben, verbindet sie und obwohl Mjriam Pernaths große Liebe ist, fühlt er sich von Angelina sehr angezogen.
2.3 Aaron Wassertrum
Aaron Wassertrum ist ein jüdischer Trödler und einer von Pernaths Nachbarn. Er fühlt sich hässlicher, als er eigentlich ist und verkörpert den negativen Geist des jüdischen Ghettos. Von Anfang an des Buches verhält er sich komisch und hat eine negative Einstellung gegenüber allen Menschen, da er in ihnen Hass und Verdacht sieht.
Aaron hat zwei Kinder, Rosina seine uneheliche Tochter und einen verstorbenen Sohn namens Dr. Wassory. Es besteht die Vermutung, dass er ein Mörder ist, da er Pernath eine Uhr schenkt, welche dem Zottmann gehört. Daraufhin wird Pernath wegen Mordes an Zottmann in Untersuchungshaft gebracht.
2.4 Der Medizinstudent Charousek
Innozenz Charousek studiert in Prag Medizin (S. 28). Das Studium wurde ihm von einigen mitleidigen Lehrern finanziert (S. 116), da Charousek so arm ist, dass er sich z.B. auch im Winter nur mit einen Mantel kleiden kann (S. 28). Manchmal scheint Charousek Pernaths Gedanken erraten zu können und spricht sehr gebildet (S. 27, 119). Er ist der Sohn des Aaron Wassertrum, welchen er hasst, da dieser seine Mutter schlecht behandelte und schlussendlich an ein ”Freudenhaus” verkaufte (S.118). Charouseks gesamtes Denken ist von diesem Hass geprägt (S. 116). So hilft er Savioli Wassertrums Sohn, Wassory, in den Selbstmord zu treiben und versucht dies auch mit Wassertrum selbst. Hierbei ist er selbstsicher und meint “Diesmal wird es ein Königsläufergambit sein. Da gibt es keinen einzigen Zug bis zum bittern Ende, gegen den ich nicht eine verderbliche Entgegnung wüsste” (S. 29, Z. 15ff). Dies verbindet Charousek auch mit dem historischen Vorbild Rudolf Charousek (1873-1900), welcher ein ebenfalls armer Prager Schachspieler war. Nachdem Wassertrum ermordet wurde, begeht Charousek auf Wassertrums Grab Suizid (S. 233), da sein „Haß ist von der Art, die übers Grab hinausgeht“ (S.211, Z. 30f).
2.5 Archivar Hillel
Der Archiviar Hillel besitzt ein Ebenmaß an Leib und Gliedern und einen schmalen, feinen Schnitt des Gesichts, was ihn edel erscheinen lässt.. Er ist ungefähr 45 Jahre alt. Er strahlt Gelassenheit, Freundlichkeit und Ruhe aus. Hinzu kommt, dass er einen weisen Eindruck macht und für Pernath einen Halt darstellt, wobei er für ihn “unerreichbar” bleibt. Dies führt dazu, dass keine wahre Freundschaft zwischen ihnen entsteht. Hillel hat übernatürliche Fähigkeiten um Menschen zu beruhigen beziehungsweise zu heilen, was ihm die Funktion des spiritus rector verleiht. Im Gegensatz zu Wassertrum symbolisiert er das Gute.
2.6 Mirjam
Tritt vorerst Anfang des Kapitels ,,Wach“, S 66, auf. Sie ist die Tochter des Archivars Hillels. Es wird angedeutet, dass sie ein schüchternes und scheues Mädchen ist. Sie ist Jüdin und hat schwarze Haare, ein schmales Gesicht und ist dunkelhäutig. Sie wird immer als unglaubliche Schönheit beschrieben. Sie ist jung, Naiv und Tugendhaft, die Unschuld in Person. Pernath ist hingerissen von ihr und verliebt sich in sie. Im weiteren Verlauf des Buches verstärken sich seine Gefühle ihr gegenüber, später heiratet er sie. Mirjam ist eine sehr religiöse und gläubige Person, glaubt an Glück, Schicksal, ganz besonders an Wunder und hat Träume und Wünsche. Sie lebt in einer Traumwelt, ist volkommen. Jedoch ist sie arm, Pernath nutzt ihre Naivität aus und verhilft ihr durch Geldstücke in Brötchen verstecken, auf Wunder.
2.7 Laponder
Tritt vorerst am Ende des Kapitels ,,Mai" S. 214 auf, er befindet sich mit Pernath in der selben Zelle. Sein Name ist Amadeus Laponder, ein kleiner, schmächtiger, junger Mann in gewählter Kleidung ohne Hut. Er ist glattrasiert wie ein Schauspieler. Hat große hellgrüne, glänzende, mandelförmige Augen. Wirkt vorerst fremdartig und geistesabwesend auf Pernath. Hat gute Manieren. Hat ein ,,Pagodenhaftes“ Lächeln. ,,Er sah fast aus wie eine chinesische Buddhastatue aus Rosenquarz". Er hat eine faltenlose, durchsichtige Hat, eine mädchenhafte schmale Nase und zarte Nüstern( vgl. S 214). Am Anfang des darauf folgenden Kapitels ,,Mon“, beschreibt Pernath ihn als liebenswürdig, hat Mitleid mit ihm und fühlt eine gewisse Sympathie für Laponder. Daraufhin erfahren wir den Grund seines Aufenthalts im Gefängnis und seiner Verhaftung, er habe Lustmord begangen. Deshalb ändert Pernath seine Einstellung ihm gegenüber und empfindet nun Abscheu und Grausen, beschreibt ihn als Scheusal( vgl. S 216). Anhaltende Spannung. Es widerfährt Pernath eine eigenartige Situation, Hillel und Mirjam sprechen durch den schlafenden Körpers Laponders mit ihm. Laponder stellt sich als ,,Wandere“, Medium heraus. Er verfügt übernatürliche Kräfte und wird von Pernath als Heiliger bezeichnet. Er gibt Pernath Klarheit für seine aussergewöhnlichen Erfahrungen. Seit seinem 21. Lebensjahr erscheint Laponder alles gleichgültig im Leben, es kommt ihn dumm und wie eine Indianergeschichte vor und verlor an Wirklichkeit. Im gegensatz zu Pernath hat er die Körner angenommen und geht nun den Weg des Lebens.
2.8 Die Freunde von Pernath: Zwakh,Prokop, Vrieslander
Zwakh, Prokop und Vrieslander sind die drei einzigen Freunde der Hauptfigur Pernath. Sie haben Pernath in ihren Freundeskreis aufgenommen, weil Zwakh von Pernaths Arzt darum gebeten wurde, da Pernath psychisch labil war. Die drei Freunde lassen Pernath ueber dieses Geheimnis seiner Vergangenheit im Dunkeln, da sie ihn nach wie vor für verrückt halten und ihn nicht unnötig belasten wollen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Zwakh, Vrieslander und Prokop keine so guten Freunde Pernaths sind, da sie nur aus Mitleid und Fürsorge mit ihm verkehren, er sich ihnen nicht vollkommen anvertrauen kann und sie es nicht vermögen ihn aus seiner Einsamkeit zu retten.
2.9 Rosina
Rosina ist die vierzehnjährige Tochter des Trödlers Aaron Wassertrum. Das rothaarige Mädchen hat keine richtig wichtige Rolle, doch sie symbolisiert die Fleischeslust, der aber Pernath entgehen kann. Sie ist eine junge Prostituierte des Ghettos, die Männer anlockt um sie auszubeuten.
2.10 Der Erzähler
Der Erzähler kommt nur im ersten und im letzten Kapitel vor. Er ist ein Schriftsteller, der sich sehr für die buddhistische Religion interessiert. Er ist auf der Suche nach seinem spirituellen Wesen und verfolgt dieses Ziel mit der Unterstützung seines fest verankerten Glaubens.
Die Frage bleibt offen, ob der Erzähler die Geschichte Pernaths geträumt hat, oder durch seine Verwirrung die Realität von seinen Träumen nicht mehr unterscheiden kann.
3. Interpretation
3.1 Traum / Vision / Wahnvorstellung
Pernath durchlebt eine Vielzahl verschiedener Zustände, die sich alle im halbbewussten Bereich befinden, und eine Einschätzung, ob die Realität noch wahrgenommen wird oder ob schon Einbildung vorliegt, sehr erschweren. Doch auch der Erzähler erlebt den Traum offensichtlich so wirklichkeitsnah, dass er sofort Nachforschungen anstellt und selbst in einer fast irreal anmutenen Begegnung den Ptotagonisten seines Traumes sieht. Für beide gilt gleichermaßen, dass die tranceartigen Zustände entweder direkt bewussseinerweiternd sind oder aber zu einem Erkenntnisprozess und einer inneren Wandlung beitragen.
3.2 Die Bedeutung des Golems
Der Golem hat hier - wider Erwarten - wenig mit der jüdischen Sage zu tun, die zwar im Buch erzählt, von Meyrink dann aber sehr frei gestaltet wird. Der Golem hat hier vielmehr die Funktion, dass mit seinem Eintritt in Pernaths Leben und mit der Übergabe des Buchs Ibbur das Fantastische immer stärker dessen Leben bestimmt und somit auch der Auslöser seiner inneren Wandlung ist. Wiederholt wird auch Pernath mit dem Golem gleichgesetzt (siehe Motive), dieses alter ego steht für seine mystische Seite.
3.3 Selbstfindung / Esoterik
Es geht Meyrink weniger um die Darstellung des Eindringen des Fantastischen ins Reale, das hier eher einen äußeren Rahmen darstellt, als vielmehr um die Darstellung eines (doppelten) Erkenntnisprozesses. Athanasius Pernath entgeht einem emotional völlig entleerten Leben (symbolisiert durch die nicht erinnerte Vergangenheit und die verdrängte Leidenschaft) durch die Begegnung mit dem Golem und den damit zusammenhängenden Ereignissen und gewinnt (ansatzweise) Einblicke in eine tiefere Existenz. Dass er den eingeschlagenen Weg zur Selbsterkenntnis bis zum Ende geht, wird am Ende des Romans deutlich, als der Erzähler ihn in fast entrückter Form im Haus mit dem Hermaphroditen, der hier für eine vollkommene Ausgewogenheit steht, sieht.
Auch der Erzähler macht durch den Traum ein mystisches Erlebnis, das seine ohnehin vorhandene Bereitschaft zur Spiritualität noch steigern wird.
3.4 Motive
Am auffälligsten ist sicherlich das Doppelgängermotiv, das in zahlreichen Varianten auftritt. Doch auch die Darstellung der verwahrlosten, labyrinthartigen Gassen des Judenviertels kann schon als Motiv betrachtet werden, da ihre Verworrenheit ebenso für den Geist Pernaths wie auch ihre Schäbigkeit für die niedrige Gesinnung vieler ihrer Bewohner steht und eine eigene, merkwürdige Welt darstellen.
4. Literarische Einordnung
Der Golem ist ein typisches Beispiel für den Phantastischen Realismus oder auch Magischen Realismus. Zur Definition dieser Begriffe und weiteren Beispielen: siehe PPT Larena und Margherita, DIE VON DIESEN SICHER BALD NOCH HOCHGELADEN WIRD!!!